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Beiträge von RA Peter Bierschenk

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21.10.2016

Ein teurer Fußballabend

Müller ist absoluter Fan des FC B. Bei einem Auswärtsspiel seines Vereins sitzt er - selbstverständlich - in der Nordkurve zusammen mit seinen Kumpeln. Da die erste Halbzeit recht müde verlaufen ist, möchte er für etwas mehr Stimmung im Stadion sorgen. Hierzu fällt ihm nichts anderes ein, als einen Super-Böller in die unteren Zuschauerränge zu werfen. Dieser detoniert dort mit einem starken Blitz und einem extrem lauten Knall. Sieben Zuschauer werden zum Teil erheblich verletzt.

Wegen dieses Vorfalls verhängte das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes e.V. (DFB) eine Verbandsstrafe gegen den 1. FC. Diese bestand aus einer Geldstrafe in Höhe von 50.000 € sowie der Bewährungsauflage, weitere 30.000 € für Projekte und Maßnahmen zu verwenden, die der Gewaltprävention sowie der Ermittlung von konkreten Tätern bei den Fußballspielen des 1. FC dienen.

Der 1. FC bezahlte die Geldstrafe und verlangte daraufhin von Müller Ersatz in Höhe von 50.000 €.

Das Landgericht verurteilte Müller. Das Oberlandesgericht hob das Urteil jedoch mit der Begründung auf, zwar habe Müller seine Verhaltenspflichten aus dem Zuschauervertrag verletzt. Die Verhängung der Verbandsstrafe unterfalle jedoch nicht mehr dem Schutzzweck dieser Verhaltenspflichten.

Das sah der Bundesgerichtshof in einem aktuellen Urteil anders. Er führte aus, dass jeden Zuschauer die Verhaltenspflicht trifft, die Durchführung des Fußballspiels nicht zu stören. Verstößt er hiergegen durch das Zünden und den Wurf eines Knallkörpers, hat er für die daraus folgenden Schäden zu haften und sie zu ersetzen. Das gilt auch für eine dem Verein wegen des Vorfalls auferlegte Geldstrafe des DFB. Sie ist kein nur zufällig durch das Verhalten verursachter, hiermit nicht mehr in einem inneren Zusammenhang stehender Schaden. Vielmehr wird sie gerade wegen der Störung durch den Zuschauer verhängt. Auch die Regeln des Verbandes dienten wie die Pflichten des Zuschauervertrags der Verhinderung von Spielstörungen. Er hob das Urteil des Oberlandesgerichts aus diesem Grunde auf und verwies die Sache zur neuen Verhandlung und Entscheidung an das Oberlandesgericht zurück, damit dieses die weiteren Voraussetzungen des Schadensersatzanspruches prüft. Da Müllers Verhalten unzweifelhaft zu dem Schaden des 1. FC geführt hat, ist eine Verurteilung durch das Oberlandesgericht jetzt mehr als wahrscheinlich.

Aber hierbei wird es nicht bleiben: Müller muss selbstverständlich auch die Schadensersatzansprüche, die Behandlungskosten und den Lohnausfall der verletzten Zuschauer bezahlen. Je nach der Schwere der Verletzungen und der Dauer der Heilbehandlung werden diese Kosten den oben genannten Betrag bei weitem übersteigen. Verbleibt eine Invalidität und wird ein Verletzter ganz oder teilweise berufsunfähig, wird es besonders teuer: der Geschädige ist dann nämlich durch eine Rente zu entschädigen, die mindestens bis zum 65. Lebensjahr gezahlt wird.

Der Wurf von Feuerwerkskörpern oder anderen Gegenständen, die Verletzungen verursachen können, in die Zuschauer ist nicht nur moralisch verwerflich, weil man Gleichgesinnte gegebenenfalls schwer verletzt, sondern kann auch zum sofortigen finanziellen Ruin führen.



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